Unterstützungsleistungen für Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen

Die gesetzliche Kranken-, Unfall- und Rentenversicherung unterstützen entsprechend ihren gesetzlichen Aufträgen stationäre und ambulante Pflegeeinrichtungen sowie Krankenhäuser (einschließlich Reha-Einrichtungen und im Pflegebereich tätige Personaldienstleister) dabei, die Sicherheit und Gesundheit ihrer Beschäftigten zu erhalten und zu fördern. Sie unterstützen auch Beschäftigte, die in Krankenhäusern, Pflege- und Reha-Einrichtungen tätig werden, aber über andere Arbeitgeber beschäftigt sind (z. B. Zeitarbeit, DRK-Schwesternschaft etc.).

Das Leistungsspektrum der Sozialversicherungsträger umfasst Unterstützungen beim betrieblichen Arbeitsschutz, beim betrieblichen Eingliederungsmanagement (BEM), bei der betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) sowie medizinische Leistungen der Prävention. Eine entsprechende Übersicht findet sich hier: Unterstützungsleistungen für Betriebe.

Das Pflegepersonal-Stärkungsgesetz sieht vor, dass Krankenkassen vermehrt Aktivitäten zur Förderung der Beschäftigtengesundheit in Krankenhäusern, (teil-)stationären Pflegeeinrichtungen und ambulanten Pflegediensten umsetzen. Die soziale Pflegeversicherung und die private Kranken- und Pflegeversicherung erbringen darüber hinaus auch gesundheitsfördernde und präventive Leistungen für die familiären und ehrenamtlichen Pflegepersonen. Pflegende Angehörige stehen bei ihren Tätigkeiten unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Als Lotse und über die Qualifizierung bzw. Information von Multiplikatorinnen und Multiplikatoren (z. B. Pflegestützpunkte oder betriebliche Akteure) unterstützen die Unfallversicherungsträger diese Personen, damit sie ihre Tätigkeiten sicher und gesund ausüben können.

Ganzheitliche Projekte und Angebote

Die sichere und gesunde Gestaltung der Arbeitsprozesse, eine gesundheitsförderliche Führung und ein sicheres und gesundheitskompetentes Verhalten der Beschäftigten haben einen maßgeblichen Einfluss auf deren physische und psychische Gesundheit. Die nachfolgende Tabelle zeigt, mit welchen ganzheitlichen Projekten und Angeboten die gesetzlichen Krankenkassen, die gesetzlichen Unfall- und Rentenversicherungsträger sowie die private Krankenversicherung diese fördernden Faktoren unterstützen. Nähere Informationen erhalten Sie, wenn Sie in der Tabelle den jeweiligen Titel anklicken.

­­TitelKrankenhäuserambulante Pflegeteilstationäre Pflegevollstationäre PflegeReha-EinrichtungenRegionInhalte
Arbeitsschutz organisieren –
Alles gut geregelt?
xxxx bundesweit- Bonusprogramm
- Organisation des Arbeitsschutzes
Betriebliches
Gesundheitsmanagement
in der Pflege
xx x Niedersachsen- betriebliches Gesundheitsmanagement
- Arbeitsschutz
- betriebliche Gesundheitsförderung
Betriebliches Gesundheits-
management Protestantische
Altenhilfe Westpfalz
  xx Rheinland-Pfalz- betriebliches Gesundheitsmanagement
BGF in der Pflegexxxx bundesweit- Gesunde Führung
- individuelle und organisationale Resilienzstärkung
Deutsches Siegel
Unternehmensgesundheit
xxxx bundesweit- betriebliche Gesundheitsförderung
- betriebliches Gesundheitsmanagement
- betriebliches Eingliederungsmanagement
Fachkräfteinitiative Pflegexxxx Rheinland-Pfalz- Beschäftigungsfähigkeit
- Sicherheit und Gesundheit
Gesunde Arbeit
Hamburg
xxxxxHamburg- betriebliche Gesundheitsförderung
- betriebliches Gesundheitsmanagement
- betriebliches Eingliederungsmanagement
Gesunde Pflegekräfte
– gute Pflege
xxxx bundesweit- betriebliches Gesundheitsmanagement
- Team- und Führungskultur
Gesundheit für
Pflegekräfte
im Berufsalltag
xxxx bundesweit- betriebliches Gesundheitsmanagement
- betriebliche Gesundheitsförderung
- Präventionsansätze zu spezifischen Belastungen in der Pflege
Gesundheitsmanagement
Caritas
Rhein-Mosel-Ahr
 x   Rheinland-Pfalz- betriebliche Gesundheitsförderung
Gesundheitsorientiertes
Handeln in der Pflege
  xx bundesweit- Arbeitsorganisation
- Führung
- Kompetenzentwicklung
Initiative Neue Qualität
der Arbeit (INQA) und
regionale Netzwerke
   x bundesweit- Gewalt
- Ekel
- gesundheitsfürsorgliches Verhalten
Mehrwert Pflegexxxx bundesweit- betriebliches Gesundheitsmanagement
- Führungskultur
- Interaktionsarbeit
Pflegeeinrichtungen –
Bewegungsfreundliche
Organisationen (PfleBeO)
   x bundesweit- Bewegungsförderung
- Strukturentwicklung
- Qualifizierung
Pflege in Bayern –
gesund und gewaltfrei
   x Bayern- Arbeitsmotivation
- Gewaltprävention
QualiPEP  xx bundesweit- betriebliche Gesundheitsförderung
- Prävention und Gesundheitsförderung für Bewohnende
- Förderung der Gesundheitskompetenz
Starke Pflegexxxx bundesweit- betriebliches Gesundheitsmanagement
- Team- und Führungskultur
Trägergesellschaft
Kirchliche Sozialstationen
 x   Saarland- betriebliche Gesundheitsförderung
Wertgeschätztx xx bundesweit- betriebliche Gesundheitsförderung
- betriebliches Gesundheitsmanagement
- Organisationsberatung

Themenspezifische Angebote

Die gesetzlichen Krankenkassen, die Träger der gesetzlichen Unfall- und Rentenversicherung sowie der Verband der privaten Krankenversicherung beraten Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen einschließlich Reha-Einrichtungen und im Pflegebereich tätige Personaldienstleister, damit Gesundheit, Sicherheit und Teilhabe innerhalb eines systematischen Prozesses in den Betrieb integriert werden kann. Der systematische Prozess beinhaltet folgende Stufen:

  • Zugang zu Leistungen und Vorbereitung
  • Strukturaufbau bzw. Strukturnutzung
  • Analyse
  • Planung
  • Umsetzung
  • Evaluation

Nachfolgend wird veranschaulicht, welche themenspezifische Unterstützung in den einzelnen Stufen des systematischen Prozesses angeboten wird.

Zugang zu Leistungen und Vorbereitung

Krankenkassen sowie Unfall- und Rentenversicherungsträger unterstützen Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen beim Aufbau eines betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) bzw. eines Managements für Sicherheit und Gesundheit und seiner Komponenten. Der zuerst kontaktierte Träger übernimmt zugleich eine Lotsenfunktion. Er berät das Krankenhaus/die Pflegeeinrichtung im Hinblick auf die jeweils eigenen Angebote und informiert bei Bedarf im Rahmen seiner Möglichkeiten auch über die Unterstützungsmöglichkeiten der anderen Sozialversicherungsträger bzw. leistet Hilfestellung bei der Kontaktaufnahme zu diesen.

Strukturaufbau bzw. Strukturnutzung

Innerbetrieblich: Krankenkassen sowie Unfall- und Rentenversicherungsträger unterstützen bei Aufbau und Weiterentwicklung von Steuerungsstrukturen für die Sicherheit und Gesundheit in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen.

Mehr anzeigen

Der in allen Krankenhäusern, stationären und teilweise ambulanten Pflegeeinrichtungen vorhandene Arbeitsschutzausschuss (ab 20 Beschäftigten) – bestehend aus Vertreterinnen und Vertretern der Einrichtungsleitung, Betriebsärztin und Betriebsarzt, einer Fachkraft für Arbeitssicherheit und Sicherheitsbeauftragten sowie Betriebs- und Personalräten bzw. Mitarbeitendenvertretungen – kann als zentrales Steuerungsgremium fungieren. Durch personelle Ergänzungen (z. B. um die Bereiche Personal/Human Resources und Weiterbildung, Schwerbehindertenvertretung, Gleichstellungsbeauftragte) kann und sollte diese Struktur auch für die Steuerung des BEM und der BGF genutzt werden. Krankenkassen und Unfallversicherungsträger unterstützen den Aufbau und die Nutzung betrieblicher Steuerungsstrukturen unter anderem mit Qualifizierungsangeboten für betriebliche Akteure wie Fachkräfte für Arbeitssicherheit, Führungskräfte oder Koordinatorinnen und ‑Koordinatoren für BGM. Unfallversicherungsträger unterstützen darüber hinaus auch mit prozessbegleitenden Maßnahmen im Rahmen von Kooperationsprojekten und ihrer Überwachungs- und Beratungsaufgaben vor Ort.

Weniger anzeigen

Überbetrieblich: Die Unterstützung kleiner und mittlerer Pflegeeinrichtungen und ambulanter Pflegedienste kann auch in überbetrieblichen Netzwerken erfolgen. Die Träger der gesetzlichen Kranken- und Unfallversicherung unterstützen die Organisation und Betreuung von überbetrieblichen Netzwerken zu Prävention, sowie Gesundheits-, Sicherheits- und Teilhabeförderung.

Analyse

Maßnahmen betrieblicher Prävention sowie Gesundheits-, Sicherheits- und Teilhabeförderung orientieren sich am jeweiligen Bedarf des Krankenhauses oder der Pflegeeinrichtung, der sich insbesondere aus der Gefährdungsbeurteilung und der Bewertung von Risiken und Potenzialen der gesundheitlichen Situation ergibt.

Mehr anzeigen

Die gemäß Arbeitsschutzgesetz von den Arbeitgebenden durchzuführende Gefährdungsbeurteilung ermittelt die mit der Arbeit verbundenen Gefährdungen und identifiziert gesundheitliche (physische und psychische) Belastungen am Arbeitsplatz. Die Beratung zur Durchführung von Gefährdungsbeurteilungen (auch in Form von Seminaren) ist Aufgabe der Unfallversicherungsträger. Sie halten hierzu unterstützende themen- und branchenspezifische Angebote bereit. Zur Analyse des Bedarfs an gesundheitsfördernden und präventiven Maßnahmen führen Krankenkassen auf Wunsch des Krankenhauses oder der Pflegeeinrichtung Arbeitsunfähigkeitsanalysen, Mitarbeitendenbefragungen, Gesundheitszirkel und andere partizipative Verfahren durch. Weitere der Analyse dienliche Daten sind Erkenntnisse aus der arbeitsmedizinischen Vorsorge und betriebsärztlichen Tätigkeit sowie Erkenntnisse der Präventionsdienste der Unfallversicherungsträger.

Weniger anzeigen

Planung und Umsetzung

Ist die Analysephase abgeschlossen, können Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen bei der Entwicklung eines Vorgehenskonzeptes und bei der Umsetzung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes sowie der betrieblichen Gesundheits- und Teilhabeförderung unterstützt werden.

Mehr anzeigen

Das Steuerungsgremium interpretiert die Gefährdungsbeurteilung bzw. die Analyseergebnisse, plant unter Beteiligung der verschiedenen Interessengruppen geeignete Maßnahmen und definiert Ziele (Soll). Hierbei können folgende Maßnahmen adressiert werden: Maßnahmen zur Verhütung von Unfällen, Berufskrankheiten und arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren; Maßnahmen zur Prävention von Rücken-, Haut- und Infektionserkrankungen; Maßnahmen zur Intervention bei Gewalt und Aggression gegenüber Pflegenden und für den professionellen Umgang mit solchen Vorfällen; Maßnahmen zur Wahrung der psychischen Gesundheit, zum Aufbau einer systematischen Organisation von Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit (bei Bedarf verbunden mit einem BGM bzw. BEM), zur Verbesserung der Work-Life-Balance (Dienstplansicherheit, Pausengestaltung), zur Selbstpflege, zur kollegialen Unterstützung, zum Bewegungsverhalten und zu Bewegungsmöglichkeiten der Beschäftigten, zur Kommunikation und, nicht zuletzt, zu Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten. In der ambulanten Pflege sind zusätzlich die Mobilität und ein eventuell fehlender Teambezug der Beschäftigten wie auch das Thema Verkehrssicherheit zu beachten.

Das Vorgehenskonzept sollte möglichst ganzheitlich und langfristig angelegt sein. Die Verknüpfung sicherer und gesunder Arbeitsgestaltung (Verhältnisprävention) mit Angeboten zur Entwicklung eines sicherheitsbewussten und gesundheitsförderlichen Verhaltens (Verhaltensprävention) ist zu empfehlen, da kombinierte Maßnahmen in der Regel wirksamer sind. Die Sozialversicherungsträger unterstützen Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen in dieser Phase durch Beratung und Information über geeignete Maßnahmen einer sicheren und gesundheitsförderlichen Arbeitsgestaltung, der Gestaltung betrieblicher Rahmenbedingungen und der Förderung eines gesunden Lebensstils der Beschäftigten. Auch die Moderation von Arbeitsgruppen und Gesundheitszirkeln durch die Krankenkassen und Unfallversicherungsträger ist möglich, um ein auf die Beschäftigten zugeschnittenes und damit nachhaltiges Konzept zu entwickeln. Bevor geplante Maßnahmen umgesetzt werden, sind die Beschäftigten über die Hintergründe und Ziele zu informieren. Entsprechend dem ermittelten Bedarf können die Sozialversicherungsträger bei der Maßnahmenumsetzung in bestimmten Handlungsfeldern gemäß ihren gesetzlichen Aufträgen und Zuständigkeiten unterstützen.

Weniger anzeigen

Evaluation

Unfallversicherungsträger und Krankenkassen beraten zu geeigneten Verfahren der Prozess- und Ergebnisevaluation und unterstützen Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen bei deren Durchführung.

Schon während der Umsetzung der verhältnis- und verhaltensbezogenen Maßnahmen sollte deren Bewertung (Prozessevaluation) erfolgen. Nur wenn Soll und Ist kontinuierlich überprüft und verglichen werden, können Probleme frühzeitig erkannt und ihnen ggf. entgegengesteuert werden. Nach der Umsetzung ist eine Wirksamkeitsüberprüfung, z. B. über Befragungen oder Kennzahlenanalyse, sinnvoll (Ergebnisevaluation).